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Lenas Weg

Foto zur Geschichte, mit Leuchtkonturen verfremdet

Eine Bildergeschichte aus der Reihe „Lena“ · Teil 2 von 5 · Erstkommunion

Autor: Thomas J. Weiss

Jahr
2022
Länge
729 Wörter, vorgelesen ca. 6 Minuten
Bilder
12
Fassung
6. Oktober 2026

Herunterladen: PDF · HTML

Worum es geht

Lena darf zu ihrer Erstkommunion eine Freundin einladen. Doch Isra geht in die Moschee und Amelies Familie glaubt an nichts. Ein Wandertag auf verschiedenen Wegen zum selben Gipfel und ein Rat der jüdischen Nachbarin Frau Rosenblatt helfen ihr weiter.

Zum Vorlesen: Die Geschichte wurde im Gottesdienst vorgelesen, während die Bilder an die Wand projiziert wurden. Die Bilder dürfen dafür in Gemeinden gezeigt werden.

Die Geschichte

Foto zur Geschichte, mit Leuchtkonturen verfremdet

Dass Lena zu ihrer Erstkommunion, die in einigen Wochen stattfinden sollte, auch eine Freundin einladen würde, war ihrer Meinung nach nur gerecht. Schließlich hatte ihre ältere Schwester das vor zwei Jahren auch gedurft.

Ihre Eltern waren sofort einverstanden gewesen – und dennoch fühlte sich Lena bedrückt.

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Lenas beste Freundinnen hießen Isra und Amelie. Bislang hatte sie sich weder getraut, die eine noch die andere zu fragen.

Isra ging mit ihrer Familie in keine Kirche, sondern in eine Moschee. Gott nannten sie dort Allah und seinen Gesandten Mohammed. Amelies Familie ging nirgendwo hin und glaubte vielleicht auch an nichts und an niemanden.
Deshalb würde wohl keine der beiden mit ihr Erstkommunion feiern wollen, bei der sich doch alles um Jesus und dessen Weg zu Gott drehte.

Auch Lena, die sich sehr auf ihre Erstkommunion freute, konnte sich eine gemeinsame Feier nicht vorstellen.

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Lenas Nachbarin, Frau Rosenblatt, hatte nicht nur einen wunderschönen Garten, oft wusste sie in schwierigen Situationen auch Rat.
Doch als Lena ihr das Problem mit den Einladungen schilderte, verwirrte sie die Antwort nur noch mehr:

„Ich bin jüdischen Glaubens, Lenchen, wie es bereits meine Eltern, meine Großeltern und viele Generationen vor ihnen waren.
Ich glaube fest daran, dass meine Religion nicht nur die richtige, sondern auch gut für mich ist.
Vielleicht geht es vor allem darum im Glauben.“

Foto zur Geschichte, mit Leuchtkonturen verfremdet

Der Wandertag von Lenas Schulklasse fand einige Tage später statt.

Herr Herbst, einer ihrer Lehrer, hatte die Klasse in mehrere Gruppen eingeteilt, die den Gipfel eines Berges auf eigene Faust erreichen sollten. Jede Gruppe hatte einen Kompass und eine Karte erhalten, auf der eine Reihe unterschiedlicher Wege eingezeichnet waren.

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Nach einigen Diskussionen entschied sich Lenas Gruppe dafür, dem grünen Weg zu folgen, der an Bäumen und Wegweisern durch eine grüne Raute markiert war. Auf der Karte sah er wie einer der kürzesten Wege aus – doch wie viele Auf- und Abstiege sie erwarteten und wie viel Zeit diese zusätzlich einnehmen würden, war darauf nicht zu sehen.

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Eine andere Gruppe nahm einen Weg, der durch einen blauen Kreis markiert war, eine weitere folgte einer roten Raute. Eine vierte Gruppe hatte sich aus mehreren Wegen einen eigenen zusammengestellt und startete zwar auf dem grünen Weg, wollte aber weitere Abschnitte auf dem blauen und dem gelben Weg hinter sich bringen. Eine fünfte Gruppe hatte beschlossen, mit dem Kompass abseits aller Wege quer durch den Wald zu laufen.

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Zunächst war es Lena noch wichtig erschienen, mit ihrer Gruppe als erste am Ziel einzutreffen. Sie waren mit hohem Tempo losgelaufen und hatten schon bald eine Pause einlegen müssen, weil Manuel Seitenstechen bekommen hatte.

Etwas Ruhe hatte allen gutgetan: Es war ein sonniger Tag im Mai, der Waldboden war voller weißer Blüten, und sie fanden die Zeit, sich umzusehen: Lena entdeckte zwei Buntspechte; Schnecken und ein blauschwarzer Ölkäfer liefen über den Weg.
Manuel erklärte ihnen, das Krächzen, das sie hörten, stamme von einem Kolkraben, dem größten Singvogel Europas. Dann konnten ihn alle auf einem Baumwipfel sitzen und den Kopf neigen sehen, als ob er ihnen zuschaue.

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Und so wurde es kein Wettrennen, sondern ein wunderschöner Schulausflug – der schönste, an den sich Lena erinnern konnte.
Ihre Gruppe kam als dritte ins Ziel, Isra war mit ihrer Gruppe dem blauen Weg gefolgt und erwartete sie bereits. Nach und nach trudelten alle Gruppen auf dem Gipfel ein, die Aussicht war atemberaubend und sie tranken und aßen und feierten gemeinsam.
Als Allerletzte kamen die an, die querfeldein gelaufen waren – sie waren an einer Felswand nicht mehr weitergekommen, Herr Herbst war sie suchen gegangen und den Rest des Weges gemeinsam mit ihnen gewandert.

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Noch am selben Abend schaute Lena bei Frau Rosenblatt vorbei und erzählte ihr von ihrem Wandertag.

„Lenchen, ich habe viel über das nachgedacht, was du mir über die Einladungen zu deiner Erstkommunion erzählt hast“, sagte die alte Nachbarin.
„Ist das nicht ähnlich wie bei deinem Schulausflug? War es da nicht auch möglich, ein gemeinsames Ziel zu feiern, auch wenn ihr auf unterschiedlichen Wegen unterwegs wart?“

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Am nächsten Morgen stimmten Lenas Eltern ihrer Bitte zu: Sie durfte sowohl Isra als auch Amelie zu ihrer Erstkommunion einladen. Vielleicht waren sie ja wirklich alle zu einem gemeinsamen Ziel unterwegs.
Doch darauf kam es nicht an und das hatte Lena verstanden:
Jesus’ Weg war ihr Weg, weil es guttat, ihn zu gehen.
Jesus’ Weg war ihr Weg, solange es guttat, ihn zu gehen.

Gemeinsam sollte das doch zu schaffen sein.

Foto zur Geschichte, mit Leuchtkonturen verfremdet

Lizenz und Rechte

Text: Thomas J. Weiss, lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0). Die Geschichte darf vorgelesen, gekürzt, umgeschrieben und weitergegeben werden, auch kommerziell, solange der Autor genannt wird.

Ausgenommen von dieser Lizenz sind die Bilder: